Digitalisierung & Wissensaustausch
Stellt Euch vor, im Dorf gibt es eine Idee für einen Gemeinschaftsgarten. Ein paar Menschen möchten mitmachen, eine Fläche wäre vielleicht vorhanden. Und dann beginnt das, woran Projekte erstaunlich oft hängen bleiben: Wer kennt sich mit Genehmigungen aus? Wie spricht man die Gemeinde an? Was muss bei einem ersten Treffen besprochen werden? Wo findet man Fördermöglichkeiten?
Früher war die Antwort häufig: Wir brauchen jemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat. Das gilt auch heute noch. Nur ist es inzwischen leichter geworden, sich einen ersten Überblick zu verschaffen.
Digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz können helfen, Fragen zu sortieren, einen Ablauf vorzubereiten, unterschiedliche Möglichkeiten zu vergleichen oder die erste Fassung eines Schreibens zu erstellen. Das ist noch keine erfolgreiche Dorfentwicklung. Aber es kann den Moment verkürzen, in dem Menschen vor einem leeren Blatt sitzen und nicht wissen, wie sie beginnen sollen.
Besonders interessant wird KI dort, wo sie nicht einfach irgendwelche Antworten aus dem Internet zusammenstellt, sondern auf erprobte Methoden und Erfahrungen zugreifen kann. Denn ein Dorfprojekt braucht selten eine theoretisch perfekte Standardlösung. Es braucht Hinweise darauf, was anderswo funktioniert hat, welche Schwierigkeiten auftauchten und welche Fragen die Beteiligten sich stellen sollten.
Genau das war ein Grundgedanke von Dörfer im Aufbruch: Erfahrungen sammeln, sichtbar machen und Menschen zugänglich machen, die selbst etwas auf den Weg bringen möchten. Mit DiANA lässt sich dieser Gedanke weiterführen. Aus gesammeltem Wissen kann eine Unterstützung beim Fragen, Strukturieren und Planen werden.
Nur sollten wir nicht übersehen, was KI gerade nicht kann. Sie sitzt nicht mit am Tisch, wenn zwei Nachbarn seit Jahren einen ungelösten Konflikt austragen. Sie bemerkt nicht zuverlässig, wer beim Treffen schweigt, weil er sich ausgeschlossen fühlt. Und sie übernimmt keine Verantwortung dafür, ob ein Vorschlag rechtlich zulässig, finanziell sinnvoll oder für die Menschen vor Ort überhaupt passend ist.
Auch die scheinbar einfachen Antworten brauchen Prüfung. KI kann überzeugend formulieren und trotzdem falsche Angaben machen, Quellen verwechseln oder Regelungen übersehen. Deshalb gehören Nachfragen, ein Blick auf die ursprünglichen Informationen und gegebenenfalls fachliche Beratung dazu. Besonders bei personenbezogenen Daten, rechtlichen Fragen und Finanzen ist Vorsicht angebracht.
Vielleicht liegt der größte Nutzen also gar nicht darin, dass die Technik uns sagt, was wir tun sollen. Sondern darin, dass sie uns bessere Fragen stellen hilft. Welche Interessen sind betroffen? Was haben wir übersehen? Wie könnte ein erstes Treffen ablaufen? Welchen kleinen Schritt können wir ausprobieren, bevor wir einen großen Plan schreiben?
Ein Dorf wird nicht lebendiger, weil dort jemand mit einem Chatbot spricht. Es kann aber lebendiger werden, wenn Menschen mit seiner Hilfe leichter ins gemeinsame Handeln kommen.
Die entscheidende Zukunftsfrage ist deshalb nicht, ob KI unsere Dorfprojekte übernimmt. Sondern wie wir sie so nutzen, dass Wissen zugänglicher wird, ohne die menschlichen Beziehungen zu ersetzen, auf die es am Ende ankommt.
Bild: Jernej Furman from Slovenia / Wikimedia Commons, CC BY 2.0; für diesen Blogbeitrag kostenlos nutzbar unter den Lizenzbedingungen. Bild verkleinert.