Jugend & Teilhabe
Wenn in einem Dorf über die Zukunft gesprochen wird, dürfen junge Menschen häufig gern dabei sein. Zum Beispiel beim Aufstellen der Stühle, beim Kuchenverkauf oder beim Verteilen von Flyern. Schwieriger wird es manchmal, wenn sie eigene Ideen haben. Dann hört man Sätze wie: „Das haben wir schon probiert“ oder „Dafür seid Ihr noch ein bisschen jung“.
Dabei geht es bei der Dorfentwicklung doch um ihre Zukunft mindestens genauso sehr wie um unsere.
Jugendbeteiligung wird oft als Angebot verstanden. Erwachsene überlegen, was jungen Menschen gefallen könnte, organisieren einen Workshop und fragen anschließend, ob die Veranstaltung Spaß gemacht hat. Das kann sinnvoll sein. Aber echte Beteiligung beginnt an einer anderen Stelle: bei der Frage, was Jugendliche selbst verändern wollen und worüber sie tatsächlich mitentscheiden können.
Vielleicht möchten sie einen Raum, in dem sie sich treffen können, ohne ständig beaufsichtigt zu werden. Vielleicht geht es um Busverbindungen, einen sicheren Radweg, einen Proberaum oder die Möglichkeit, Veranstaltungen selbst zu organisieren. Manches davon lässt sich rasch umsetzen, anderes liegt in der Verantwortung von Gemeinde, Landkreis oder Verkehrsunternehmen. Aber auch die Auseinandersetzung mit solchen Grenzen kann wertvoll sein, wenn sie ehrlich geführt wird.
Das Problem entsteht, wenn Mitwirkung nur vorgetäuscht wird. Wer zu einem Workshop eingeladen wird, eigene Ideen entwickelt und anschließend nie wieder etwas davon hört, lernt vor allem eines: Es lohnt sich nicht, Zeit in solche Formate zu investieren.
Anders wird es, wenn von Anfang an klar ist, was entschieden werden kann. Vielleicht gibt es ein kleines Budget, über dessen Verwendung Jugendliche selbst bestimmen. Vielleicht erhält eine Gruppe den Schlüssel für einen Raum und entwickelt gemeinsam Regeln für dessen Nutzung. Vielleicht plant sie einen Konzertabend und entscheidet über Programm, Werbung und Ablauf.
Natürlich braucht es Unterstützung. Verträge, Aufsichtspflichten, Finanzen und Sicherheit lassen sich nicht einfach an Minderjährige delegieren. Aber Begleitung sollte ermöglichen statt ersetzen. Erwachsene müssen nicht jede Idee verbessern, bis von ihr nur noch die eigene Vorstellung übrig bleibt.
Wir übersehen außerdem leicht, wie unterschiedlich Jugendliche sind. Nicht alle gehen in denselben Verein, fühlen sich in einer offiziellen Runde wohl oder möchten vor Erwachsenen sprechen. Wer Beteiligung ernst meint, muss verschiedene Zugänge schaffen. Ein Gespräch beim Sport kann ebenso wichtig sein wie ein Jugendforum. Und manchmal kommen die besten Ideen von denjenigen, die bisher bei keiner Veranstaltung aufgetaucht sind.
Für Dörfer ist das keine Nebensache. Junge Menschen, die ihren Wohnort nur als Ort erleben, an dem andere entscheiden, werden sich später vielleicht kaum daran erinnern, dass ihre Meinung einmal gefragt gewesen wäre. Wer dagegen erlebt, dass aus einer eigenen Idee etwas entsteht, nimmt eine ganz andere Erfahrung mit, selbst wenn er oder sie zum Studieren oder Arbeiten fortzieht.
Vielleicht sollten wir also weniger darüber reden, was wir „für die Jugend“ tun können. Und häufiger fragen, bei welchen Entscheidungen wir bereit sind, wirklich Platz zu machen.
Bild: Rosso Robot / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; für diesen Blogbeitrag kostenlos nutzbar unter den Lizenzbedingungen. Bild verkleinert.